Pressemeldung Nr. 241 vom

„Brennstäbe in Blechdosen“ - Anlieferkataster zeigt neue Dimension des Asse-Skandals

Das seit dem späten Dienstag Nachmittag vorliegende Anlieferkataster der Helmholtz-Gesellschaft zum in die Asse gelieferten Atommüll zeige eine ganz neue Dimension auf, erklärte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Stefan Wenzel. "Unsere gestrigen Befürchtungen werden noch deutlich übertroffen." In einer Begleitliste werde Abfall als "Brennstäbe in Blechdosen" bezeichnet. Der Anteil an 235Uran und 239Plutonium werde in der Liste für dieses Fass beispielsweise mit 129,78 Gramm angegeben. Das Material sei sehr hoch angereichert. "Das ist deutlich mehr, als wir bisher vermutet hatten", sagte Wenzel: "In dieser Menge ist das ganz eindeutig Kernbrennstoff". Wie aus einzelnen Listen hervorgehe, sei in den Fässern offenbar auch Müll aus den USA und Großbritannien.

Zudem wiesen einzelne Fässer des Anlieferkatasters sehr hohe Strahlenbelastungen auf, so Wenzel. Die mittlere Aktivität einiger Fässer weise Werte von bis zu 500 Curie auf. Die Dosisleistung je Fass werde mit bis zu 7.000 rem/h angegeben. "Das sind sehr hohe Werte, die für Menschen innerhalb kurzer Zeit tödlich wären, wenn sie sich ohne Abschirmung in die Nähe eines solchen Fasses begäben", sagte Wenzel. Ob dieser Müll auch als Wärme entwickelnder bzw. hochradioaktiver Müll zu klassifizieren sei, müssten weitere Prüfungen durch Fachleute ergeben. Auch die Angaben des Betreibers zur Plutoniummenge, die in den Fässern sein sollen, halten einer ersten Überprüfung anscheinend nicht stand. Eine überschlägige Rechnung für Fässer, die zwischen März 1973 und Dezember 1978 angeliefert wurden, käme auf eine angegebene Menge von 14,6 Kilogramm Plutonium. Nach Angaben des Betreibers sollen insgesamt jedoch lediglich elf Kilogramm Plutonium in der Asse liegen, so Wenzel.

Wenzel: "Für eine abschließende Bewertung dieser neuen Daten ist es noch zu früh. Das Lieferkataster erhärtet aber die Vermutung, dass bislang nur die Spitze des Eisberges zu erkennen ist." Umso dringlicher sei die Untersuchung und Analyse von sechzig Fässern in einem Speziallabor. Wenzel forderte CDU und FDP auf, einer weiteren Aufklärung nicht im Wege zu stehen. Noch in der letzten Woche hatten die Koalitionsparteien bezweifelt, dass Kernbrennstoffe in der Asse lägen und von einem Lügengebäude gesprochen. Sie sollten sich auch fragen, so Wenzel, ob sie sich einem Untersuchungsausschuss noch verweigern könnten. "Wir sind den Menschen rund um die Asse Aufklärung schuldig, um die beste aller denkbaren Optionen für den Umgang mit dem Atommüll in der Asse zu finden", sagte Wenzel abschließend.

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