Göttinger Tageblatt "Spezial": Ein Tag mit Stefan Wenzel "Munterer Minister"

Mit freundlicher Genehmigung des Göttinger Tageblattes

Ein Tag mit Stefan Wenzel, Chef des niedersächsischen Umweltministeriums
Von Britta Bielefeld

 

Diesen Text finden Sie jetzt auch auf der Homepage des GT

 

Göttingen/Hannover. Es ist dunkel, es ist kalt und es ist verdammt früh. Der Mann ist gut gelaunt, ausgeschlafen und ausgeglichen. Und das nach nur fünf Stunden Schlaf. Stefan Wenzel, grüner Umweltminister des Landes Niedersachsen, biegt mit großen Schritten in den Göttinger Bahnhof ein. Es ist 6.45 Uhr, er hat bereits die Busfahrt aus seinem Wohnort Groß Lengden hinter sich.

Seit Februar 2013 ist der Göttinger Grüne in Hannover Mitglied der rot-grünen Landesregierung, als Minister für Umwelt, Energie, und Klimaschutz. Mit seinem grauen Wintermantel, grauem Anzug, leicht angegrauten Haaren und dem schwarzem Rucksack auf dem Rücken fällt er im frühen Berufspendlertreiben nicht auf. Limousine, Assistenten, Personenschutz? Fehlanzeige. Selbst wenn es, wie so oft, ein sehr langer Tag wird: „Der Zug nach Göttingen ist meistens schneller als die Fahrbereitschaft“, sagt Wenzel. Wenn es noch später wird, und auch der letzte Zug gefahren ist, übernachtet der Minister im Hotel. Und das kommt gar nicht so selten vor. „Ich überlege deshalb, ob ich in Hannover ein Zimmer miete“, so der Vater von drei Töchtern.

„Ich brauche eben noch zwei Zeitungen“, sagt Wenzel noch am Bahnhof. Das Tageblatt hat er bereits zu Hause aufgeschlagen, zu seiner morgendlichen Lektüre bei einem Kaffee im Zug zählen zudem die Hannoversche Allgemeine Zeitung, das Handelsblatt, die Taz und die HNA. Seit einem Jahr ist der 51-Jährige im Amt – ganz ohne Müdigkeit. An diesem Morgen ist er schon um 5 Uhr Aufmacher der Radionachrichten. „Umweltminister Wenzel verlangt ein Machtwort von Kanzlerin Merkel“, heißt es dort. Hintergrund ist der von Bayern geforderte Planungsstopp für eine neue Stromtrasse. Damit hat Wenzel das bestimmende Tagesthema der niedersächsischen Medien geliefert.

Und das ist dann auch Thema seiner ersten Gesprächsrunde im Umweltministerium. Ein wuchtiger Altbau am Rande der Altstadt. Der Minister geht vom Bahnhof aus zu Fuß dorthin. „Es fährt zwar auch eine U-Bahn, aber die ist mir meistens zu voll“, sagt er. Außerdem liegt der Naschwerk-Bäcker auf dem Weg. Dort kauft Wenzel ein Cranberrybrötchen. Und: „Auf dem Weg denke ich darüber nach, was heute so kommt.“

Pressesprecher Rudi Zimmeck, Referentin Constanze Nagel und Staatssekretärin Almut Kottwitz sind bereits an der Arbeit. Nach einem weiteren Kaffee am Schreibtisch, (50 E-Mails, Post, vier Aktenordner) steht dann die „kleine Runde“ mit diesen engen Mitarbeitern an. Natürlich gibt es Kaffee. Es geht um Presseanfragen, die Themen und Termine des Tages. Alles muss koordiniert und abgestimmt werden. Die Besprechung im Landwirtschaftsministerium fällt aus. Neben der Büroarbeit warten auf Wenzel heute zunächst die Sitzung der Stiftung Wattenmeer am Mittag, eine Podiumsdiskussion zum Thema Mobilität auf dem Messegelände am Nachmittag, ein Termin mit dem Wissenschaftsministerium und etliche Stunden Schreibtischarbeit: „Ein normaler Arbeitstag“, sagt Wenzel. Meistens steht noch mehr an. Das Bundesland ist groß, sein Zuständigkeitsbereich auch. Da bleibt wenig Zeit für Urlaub. „Im vergangenen Jahr habe ich zwei Wochen Urlaub gemacht“, so Wenzel. Immerhin ist er Chef von rund 2000 Mitarbeiter – neben dem Ministerium ist er auch für Gewerbeaufsicht und Küstenschutz verantwortlich. Und: „Es war mein erstes Jahr.“ Dann muss er in die Sitzung. Nichtöffentlich. Zeit für ein Mittagessen bleibt nicht. Um 22 Uhr ist Wenzel zurück in Groß Lengden. „Ein eher kurzer Tag“, findet er.

 

Die PDF-Version des Artikels mit vielen Fotos

Zurück zum Pressearchiv